Geschichte des Hotels Švýcarský dům (Schweizer Hof)

Der „Schneeberg (Sněžník)“, und darunter verstand man auch das Dorf Schneeberg, war seit jeher der Lieblingsberg von Tetschen (Děčín) und Bodenbach (Podmokly – im 1942 mit Tetschen vereinigt). Er ist der Hausberg in lichten Höhen, oft windumfegt, nach dem man sich sehnte, wenn man in dem tiefen Talkessel von Tetschen-Bodenbach, in Nebel und Dunst lebte. Ober- und Unterdorf Schneeberg (Horní- a Dolní ves Sněžník) sind von ausgedehnten Waldungen umgeben. Diese sind in mehrere Reviere unterteilt und gehörten zur Domäne der Fürst Thunschen Herrschaft. Sie bildeten ein Quadrat von ungefähr 13 km Seitenlänge. Inmitten des Unterdorfes, in etwa 600 m Seehöhe, steht das Hotel „Schweizerhof“ (Švýcarský dům). Es ist ein ansehnliches Grundstück. Das Dorf Schneeberg (Sněžník) liegt zu Füssen der steilabfallenden Felswände des „Hohen Schneebergs (Vysoký Sněžník)“, der 723 m hoch ist.

Dem Auge bietet sich ein hübscher Anblick auf die zweistöckige Front mit den beiden spitzen Türmen und der balkongeschmückten Ostfront mit davorliegendem Garten und Kinderspielplatz. Der Wirtschaftsteil, etwas tiefer gelegen, besteht aus dem ehemaligen Pferdestall; über dem ehemaligen Eiskeller wurde eine überdachte Terrasse errichtet. Das Hotel ist bis zum ersten Stockwerk aus Sandsteinquadern erbaut. Der erste und zweite Stock im Stille der heimatlichen Bauernhäuser aus Fachwerk.

Im Erdgeschoss befindet sich ein Restaurant mit Küche und Nebenräumen. Im ersten und zweiten Stock liegen 11 Fremdenzimmer und Appartements, manche mit grossem Balkon.

Der Erbauer des Hotels „Schweizerhof“ (Švýcarský dům) ist Friedrich Hebestreit, von 1860 bis 1912 Besitzer des „Hotels zum Bad“ in Bodenbach-Obergrund (Podmokly-Horní Žleb). Dieser erbaute den „Schweizerhof“ mit Baumeister Perten aus Peiperz (Přípeř) im Jahre 1892/98. Er erstellte es für seinen jüngsten Sohn Franz Hebestreit und dessen Gattin Josefine, geb. Schwalb. Zuvor hatte er diesen Sohn auf eine Hotelfachschule in die Schweiz gesandt und später ihm den Posten eines Direktionsassistenten in einem Hotel an der französischen Riviera vermittelt.

Zur Einweihung des Hotels, im Frühjahr 1893 fanden sich die Bürgermeister von Eulau (Jílové), Tetschen (Děčín) und Rosenthal (in Sachsen), die Forstleute der Domäne Thun-Hohenstein und viele sogenannte prominente Gäste aus Tetschen (Děčín) und Bodenbach (Podmokly) ein.

Es lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit sagen, wem die Idee, aus dem Waldarbeiterdorf einen Luftkurort zu machen, entsprungen war. Tatsache blieb, dass die Idee damals verfrüht war. Die Jahresgäste, wie man das vielleicht in der Schweiz gesehen hatte, blieben aus. Das Haus füllte sich mit vereinzelten Gästen allenfalls in den Monaten der Schulferien, Juli-August-September. Die Wintergäste fielen gänzlich aus, abgesehen von den Tagen, da es möglich war, mit dem Pferdeschlitten von Tetschen (Děčín) über Kalmswiese (Jalůvčí) – Maxdorfer Teich (Maxičky) hinaufzufahren. Aber die Unkosten für Vorräte, Personal, Abgaben und Amortisation blieben ungedeckt. Um es kurz zu machen: Der Betrieb wurde passiv. Die Wirtschaft geriet in Schulden gegenüber der Brauerei Bodenbach (Podmokly), gegenüber den Lieferanten und dem Steueramt. Die Sparkasse Tetschen (Děčínská spořitelna) gab eine Hypothek nach der anderen, aber es half alles nichts, den Ruin abzuwenden. Bei der Verhandlungen zeigte sich die Tetschener Sparkasse bereit, das Hotel mit allem Inventar in Eigentum zu übernehmen und so musste der unternehmungslustige Franz Hebestreit das Haus schmerzlicherweise mit Frau und Töchtern verlassen. Das war im Jahre 1902.

Der Schweizerhof blieb nun ein paar Wochen verwaist. Dann aber wurde das Haus verpachtet und zwar an den Gastronom Krummrein, der aus Schweizermühle in Sachsen stammte. Ein alter Gastwirt mit praktischer Erfahrung, vorsichtig in seinen Kalkulationen, sparsam in seinen Unkosten und billig in dem, was er bot. Es war ein Familienbetrieb. Die erwachsenen Kinder halfen dem Vater: Der Sohn als vorzüglicher Koch, die Tochter als Stubenmädchen und Speiseträgerin, die Schwiegertochter als Beschliesserin.

Die Idee, dass Schneeberg Luftkurort sein könnte, war nicht mehr so abwegig. Das Zeitalter des Autos brach an, man war von Bodenbach-Bahnhof in 13 bis 20 Minuten von 126 m Seehöhe in der guten, scharfen Waldluft von Schneeberg. Die Ski kamen auf! Man begab sich auch im Winter auf diesen höchsten Punkt des Elbesandsteingebirges und wärmte seine erfrorenen Gliedmassen am grossen eisernen Rundofen des „Schweizerhofs“ auf. Krummrein konnte nicht klagen. Er zahlte pünktlich seine Pacht an die Tetschener Sparkasse und die Bier-Rechnungen an die fürstl. Thunsche Brauerei in Bodenbach. Fast dreissig Jahre war Krummrein Pächter dieses Hotels. 1929 zog er sich in den wohlverdienten Ruhestand zurück, erstand, gestützt auf seine Spargroschen, ein Häuschen in seiner sächs. Grenzheimat, wo er nach einigen Jahren hochbetagt starb. Der Nachfolger von Krummrein wurde der in Tyssa (Tisá) gebürtige Alfons Tritschel, Oberkellner im Cafe Corso zu Bodenbach.

Die anstrengende Tätigkeit eines Oberkellners in einem Kaffeehaus mit Nachtbetrieb in rauchiger Luft hatten Tritschel veranlasst, sich eine ruhige Beschäftigung zu suchen. Da war es ihm eben, als er hörte, dass das ihm sehr wohl bekannte „Hotel Schweizerhof“ (Švýcarský dům) einen tüchtigen Wirt sucht.

Und tüchtig war er, der Alfons Tritschel, der von „unten“, Piccolo, Speisenträger u.s.f., angefangen hatte. Und in seiner Börse klimperten die eigenen Silberstücke, die er sich erspart hatte.

Er sah gleich: das Hotel musste modernisiert werden. Die Fachwerkwände im I. un II. Stock mussten durch Ziegelwände, die grösse Veranda verglast und die Ofenheizung durch eine das ganze Haus gleichmässig erwärmende Zentralheizung ersetzt werden. Tritschel kaufte das Haus. Und die Sparkasse freute sich, dass diese triste Angelegenheit einen für sie so günstigen Lauf nahm.

Bald prangte das Hotel im neuen Gewande. Dorf Schneeberg wurde nun wirklich ein vielbesuchter Luftkurort, auch die biederen Häusler gingen unter die Vermieter von Sommerwohnungen, ein zweiter, ein dritter Restaurationsbetrieb entstand und bei allen ging das Geschäft gut. Im „Schweizerhof“ musste man schon im Februar Zimmer für den Sommer bestellen und im Winter war es schwer, noch ein Plätzchen zu finden, um eine Tasse Tee trinken zu können.

Bis zum bitteren Ende des zweiten Weltkrieges führte Tritschel mustergültig dieses Haus. Dann erging es ihm wie allen deutschen Bewohnern des Dorfes, er wurde nach Sachsen vertrieben und soll dort, dem Vernehmen nach, irgendwo wieder ein kleines Haus gepachtet haben.

Das Hotel „Schweizerhof“ (Švýcarský dům) wurde nach dem Krieg verstaatlich und ab 11.11.1945 diente den Grenzsoldaten und Zöllnern als Kaserne. Dies begann seine langsame Verwüstung.

Für kurze Zeit, in den Jahren 1949 – 1954, gehörte das Hotel der Genossenschaft Sokol (Falke) „Vzlet GmbH“ mit Sitz in Prag. Dann diente wieder bis 1966 dem tschechoslowakischen Innenministerium als Grenzwache. Im Jahr 1966 ging das Hotel an das staatliche Unternehmen Československá automobilová doprava (ČSAD) mit Sitz in Ústí nad Labem (Aussig) über, das es dann für die nächsten 35 Jahre als Schulungs- und Erholungszentrum für seine Mitarbeiter nutzte. Nach der Privatisierung verkaufte „ČSAD BUS Ústí nad Labem a.s.“ das Hotel im Jahr 2001 an „VALER GmbH“ mit Sitz in Prag, die sich zu 100 % im Besitz des russischen Unternehmers Valeri Larionov befand. Er besaß das Hotel bis 2014, als es vom Ehepaar Kasík aus Děčín (Tetschen) gekauft wurde. Sie beschlossen, dem Hotel seinen Glanz zurückzugeben. Alle Nachkriegsbesitzer führten im Hotel nur notwendige Reparaturen und Instandhaltungen durch, einzige größere Investition war die im J. 1997 neu errichtete biologische Kläranlage.

Die folgenden Bilder zeigen, wie das Hotel bei der Übernahme im Jahr 2014 aussah.